Zürcher Seniorenchor

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Altersheim Sydefädeli
10.02.2012 / Hönggerstrasse 119, 8037 Zürich

Durch eine winterlich verschneite Landschaft führt mich der Weg ins Altersheim Sydefädeli, wo ich um 14.00 Uhr eintreffe. In einer wohligen, freundlichen Atmosphäre finde ich bereits wartende Pensionäre, den Heimleiter-Assi. auf Kontrollgang und eine gut besuchte Cafeteria.

Der Heimleiter-Assistent, Herr Stefan Bisang, heisst uns willkommen und Erich Böhm, Chorleiter, begrüsst die Zuhörer: „… wir wollen Euch etwas Freude bringen — mit etwas Schalk fügt er hinzu — und auch etwas davon mitnehmen …“.

Den Chorvortrag eröffnen wir mit einem Lied, das besingt wie der Glockenklang uns durchs Leben begleitet. Heute gelingt es dem Dirigenten ganz besonders, uns Sänger in seinen Bann zu ziehen. Wie an unsichtbaren Fäden gezogen entlockt er den Sängern das Zusammenspiel von Rhythmus, Dynamik, Akzenten und sogar Artikulation.

Das Singen von Volksliedern, die uns älteren Semestern von der Schule und dem Elternhause her wohl bekannt sind, weckt noch die letzten Lebensgeister. Eine Pensionärin höre ich sagen: „Dieses Lied hat mein Vater jeweils abends gesungen“. Im Saal sind keine abwartenden Altersheimbewohner mehr, sonder lauter aktive fröhliche Sänger und Sängerinnen, die auf die Spässe von Erich Böhm eingehen und sich auch melden, wenn sie etwas nicht verstehen. Es kann nicht anders sein, in diesem Hause wird der Gesang ganz besonders gepflegt. Neben mir sitzt eine Dame. Sie singt alle Lieder konzentriert mit. „Jo was, jetzt isch scho fertig?“ Beschwichtigend erkläre ich ihr, dass wir im nächsten Jahr wieder kommen werden. Spontan und enttäuschend tönt es: „Da got aber lang.“

Den Anlass beschliesst Herr Stefan Bisang: „Ich habe einige Bilder gemacht und auch draussen zugehört, es hat mir sehr gut gefallen. Herzlichen Dank.“

Der Pensionär, Herr Zobrist, verabschiedet sich mit anerkennenden Worten von unserem Dirigenten. Zu mir gerichtet erklärt er: „Das eben hat mir sehr gut gefallen. Wissen sie ich bin 95 Jahre alt; ich habe mein Leben gelebt und bin zufrieden. Jetzt bin ich hier. Es gefällt mir sehr gut hier. Am liebsten bin ich im Werkraum. Da mache ich Verschiedenes. Im Moment sind es Schachteln für Baby-Artikel, welche die Frauen stricken. Wir haben eine sehr gute Leiterin. Ich könnte auch auf dem Zimmer Zeitung lesen oder Kreuzworträtsel lösen. Aber hier geht die Zeit viel schneller um und ich habe dabei etwas geschaffen, das zudem noch dem Hause dient.“ Mit Stolz zeigt er mir seinen Lieblingsplatz.

Anschliessend treffe ich eine fröhliche Sängerschar, bei Kaffee mit Kuchen. Ich fühle, der von Erich Böhm eingangs geäusserte Begrüssungs-Wunsch ist beidseitig in Erfüllung gegangen. 

10.2.12/RV